Fruchtzuckerunverträglichkeit (=Fruktosemalabsorption) – wenn der Darm rebelliert

Nimm 5x Obst und Gemüse am Tag‘ lautet die Empfehlung vieler Gesellschaften. Was für viele (leicht) umsetzbar ist, kann für gewisse Personen zur Qual werden. Rebelliert der Darm beispielsweise nach dem Genuss von Obst, Fruchtsäften, Marmelade oder Honig, könnte eine Fruchtzuckerunverträglichkeit dahinterstecken. Vielleicht stellst du dir die Frage was du nach der Diagnose Fruchtzuckerunverträglichkeit überhaupt noch essen darfst? In diesem Beitrag erfährst du mehr zu den aktuellsten Ernährungsempfehlungen bei einer Fruchtzuckerunverträglichkeit. Als passendes Rezept zum Nachkochen für dich habe ich das saftige Bananenbrot mit Walnüssen gewählt.



1. Einführung

Gleich vorab eine wichtige Info: die Fruchtzuckerunverträglichkeit ist streng von der sogenannten hereditären Fruktoseintoleranz abzugrenzen. Das Krankheitsbild ist zwar sehr ähnlich, nicht aber deren Ursachen.


Bei der hereditären Fruktoseintoleranz handelt es sich um eine sehr seltene, angeborene Störung des Fruktosestoffwechsels, welche meist schon im ersten Lebensjahr beim erstmaligen Füttern von Beikost festgestellt wird. Die Therapie besteht in einem völligen Verzicht auf fruktosehaltige Nahrungsmittel.


Hingegen bei der Fruchtzuckerunverträglichkeit kommt es zu einer unvollständigen Aufnahme der Fruktose im Verdauungstrakt, da das zuständige Transportprotein nur eingeschränkt wirksam ist. Folglich gelangt der unverdaute Fruchtzucker in den Dickdarm, wo er anschließend durch Darmbakterien abgebaut wird. Es entstehen kurzkettige Fettsäuren und Gase, die zu milden bis schweren Symptomen führen können.

Eine unzureichende Fruchtzuckerverdauung stellt keine Erkrankung dar und verursacht somit keine Organschäden. Dieses Transportprotein kann auch bei „Gesunden“ nur eine begrenzte Menge an Fruktose transportieren kann. Folglich kann es bei zu hohen Mengen an Fruktose, auch ohne diagnostizierter Fruchtzuckerunverträglichkeit, zu Symptomen kommen.



2. Formen der Fruchtzuckerunverträglichkeit

Prinzipiell unterscheidet man 2 Formen:


a) primäre Fruchtzuckerunverträglichkeit: hierbei handelt es sich um einen gestörten/überlasteten Transport von Fruchtzucker

b) sekundäre Fruchtzuckerunverträglichkeit: ist die Folge von Schädigungen der Dünndarmschleimhaut - beispielsweise durch Erkrankungen wie Zöliakie, chronisch entzündliche Darmerkrankungen



3. Wie kann sich eine Fruchtzuckerunverträglichkeit bemerkbar machen?

  • Blähungen

  • Bauchschmerzen oder Bauchkrämpfe

  • Durchfall oder Verstopfung

  • Völlegefühl, Aufstoßen, Übelkeit, Sodbrennen oder

  • auch selten Erbrechen

Die Symptome treten meistens rund 30 – 90 Minuten nach dem Essen auf. Wie stark die Symptome sind, ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.



4. In welchen Lebensmitteln ist Fruktose enthalten?

Bei der Fruktose handelt es sich um einen Einfachzucker (Monosaccharid), der zu der Gruppe der Kohlenhydrate zählt.


Fruktose kommt natürlicherweise in Obst (in unterschiedlicher Konzentration) und daraus hergestellten Produkten wie Fruchtsäfte, Kompotte, Marmelade, Trockenfrüchte, Honig sowie mit Fruchtzucker gesüßte Getränke, Müsliriegel und Diätprodukte vor. Des Weiteren können Kohlgemüse, Hülsenfrüchte, Artischocken, Erdnüsse, Zwiebel- und Lauchgemüse Beschwerden hervorrufen. Diese Lebensmittel enthalten unter anderem Mengen an sogenannten Mehrfachzuckern (z.B. Stachyose, Verbascose, Raffinose), welche für unseren Darm schwer verdaulich sind.


Zudem ist Fruktose ein Bestandteil von Haushaltszucker (=Saccharose): Fruktose und Glukose bilden zu gleichen Teilen den Hauptbestandteil dieses Zuckers (Fruktose : Glukose = 1:1), d.h. Fruktose kommt in fast allen Arten von weißem und braunem Zucker (z.B. Rohrzucker, Puderzucker, Invertzucker usw.) vor. Der Haushaltszucker stellt bei PatientInnen mit einer Furchtzuckerunverträglichkeit normalerweise kein Problem dar, denn Fruktose und Glukose gleichen sich aus. Deshalb werden auch gewisse Obstsorten (z.B. Bananen, Beerenfrüchte, Mandarine, Orangen, Kiwi usw.), welche ein ausgeglichenes Fruktose-Glukose-Verhältnis haben, besser vertragen als andere.


Hast du gewusst, dass das Transportsystem für Fruchtzucker durch bestimmte Lebensmittel sowohl positiv als auch negativ beeinflusst werden kann?


a) Nimmt man Fruchtzucker in Verbindung mit Traubenzucker (Glukose) auf, so verbessert sich in den meisten Fällen die Verträglichkeit des Fruchtzuckers und in Folge treten weniger Beschwerden auf.


Hier ein Beispiel für dich: Äpfel in Form von Kompott oder Mus – gesüßt mit Glukose – werden besser bzw. gut vertragen; Auch Fruchtsäfte, welche zusätzlich mit Glukose gesüßt werden, sind leichter verdaulich. Sirupe werden hingegen aufgrund des hohen Zuckergehaltes grundsätzlich schon gut vertragen.

b) Die Verwendung von Zuckeraustauschstoffen (Sorbit (E420), Xylit (E967), Mannit (E421), Maltit (E965) und Isomalt (E953) führen hingegen zu einer schlechteren Aufnahme von Traubenzucker und somit zu einer Verstärkung der Beschwerden. Sie sind beispielsweise in diätetischen Lebensmitteln, in Light-Produkten oder zuckerfreien Süßigkeiten enthalten.


Hier ein Beispiel für dich: Wenn unmittelbar nach dem Genuss eines Apfels ein „zuckerfreier“ Kaugummi auf Sorbitbasis gekaut wird, können Symptome auftreten.


? Wusstest du, dass fast alle Menschen mit einer Fruchtzuckerunverträglichckeit auch an einer Sorbitunverträglichkeit leiden? Umgekehrt aber nicht!



5. Wie kann eine Fruchtzuckerunverträglichkeit diagnostiziert werden?

Die Diagnose einer Fruchtzuckerunverträglichkeit erfolgt über einen sogenannten Wasserstoff-Atemtest. Bei diesem Test wird die Wasserstoff-Konzentration (H2) in der ausgeatmeten Luft gemessen.


Wie kannst du dir das in der Praxis vorstellen? PatientInnen bekommen eine Testlösung (=Fruktose in Wasser aufgelöst) zu trinken. Anschließend wird innerhalb von bestimmten Zeitabständen die Wasserstoffkonzentration in der Ausatemluft wiederholt gemessen. Um dies erfassen zu können, müssen die PatientInnen in ein speziell dafür vorgesehenes Gerät pusten.


! Das kannst du dir merken: Blut- oder gar Stuhluntersuchungen stellen keine geeignete Methode für die Diagnose einer Fruchtzuckerunverträglichkeit dar!



6. Diagnose Fruchtzuckerunverträglichkeit: Wie gestaltet sich die Ernährungstherapie?


Die Ernährungstherapie richtet sich nach den individuellen Symptomen und erfolgt in 3 Schritten:


Erste Phase – Karenzphase: Dabei handelt es sich um eine zeitlich begrenzte, streng fruktosearme Kost. Diese Phase erstreckt sich über maximal 2 Wochen und hat zum Ziel die Beschwerden zu reduzieren.


Zweite Phase – Testphase: Nachdem die Karenzphase vorüber ist, geht es in dieser Phase darum, die Nahrungsmittelauswahl wieder langsam und schrittweise zu erweitern. Das Ziel dieser Phase besteht darin, die individuelle Fruktoseverträglichkeit auszutesten. Da vor allem die Mengen für die Verträglichkeit ausschlaggebend sind, ist empfohlen, mit kleinen Portionen zu beginnen. Es gibt viele Lebensmittellisten, die als Anhaltpunkt verwendet werden können. Jedoch ist dein Darm einzigartig, weshalb du dir die Zeit zum „Ausprobieren“ unbedingt nehmen solltest. Um die Toleranz besser beurteilen zu können, ist es außerdem empfehlenswert, ein Ernährungsprotokoll zu führen. Notiere dabei, was wann gegessen wurde und wann welche Beschwerden aufgetreten sind.


Hier ein Beispiel für dich:

Tag 1 : Naturjoghurt + ¼ Apfel à gute Verträglichkeit

Tag 2: Naturjoghurt + ½ Apfel à gute Verträglichkeit

Tag 3: Naturjoghurt + 1 Apfel à sehr starke Blähungen


Wichtig ist, dass du wirklich nur testest, wenn es dir gut geht und du dich fit fühlst. Außerdem solltest du maximal ein fruktosehältiges Lebensmittel pro Tag testen.


Dritte Phase – Dauerernährung: in dieser Phase kennen die PatientInnen bereits ihre individuelle Toleranzgrenze für Fruktose und können die Lebensmittel dementsprechend in den Alltag integrieren. Das Ziel besteht somit darin, eine ausgewogene und bedarfsdeckende Ernährung sowie Beschwerdefreiheit zu erreichen.


7. Wie kann ich bei Fruchtzuckerunverträglichkeit süßen?

Haushaltszucker (=Saccharose) enthält zwar Fruchtzucker, jedoch ist er in geringen Mengen meistens gut verträglich, wie du ja bereits weißt, dass Haushaltszucker zu gleichen Teilen aus Glukose und Fruktose besteht und Glukose die Aufnahme von Fruchtzucker verbessert. Andernfalls kann anstelle von Honig oder Haushaltszucker beispielsweise Reissirup oder Traubenzucker verwendet werden.



Tipps „to go“ für dich:

  • Nimm den Fruchtzucker in kleinen Portionen über den Tag verteilt auf, so kann die Verträglichkeit erhöht werden

  • Generell wird der Fruchtzucker besser vertragen, wenn er anschließend an eine Mahlzeit, beispielsweise als Dessert, gegessen wird. Auch die Kombination mit anderen Lebensmitteln (z.B. Obst mit Joghurt, Obst mit Nüssen) erhöht die Verträglichkeit

  • Augen auf bei Fertigprodukten - Zutatenliste auf verpackte Lebensmittel überprüfen: Sorbit sowie andere Zuckeralkohole so gut wie möglich meiden; Fruchtzucker verbirgt sich in der Zutatenliste beispielsweise auch hinter folgenden Bezeichnungen: Fruchtzucker/Fruktose, Fruktosesirup, Fruktose-Glukose-Sirup und Glukose-Fruktose-Sirup, Fruchtsüße usw.

  • Achte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr in Form von ungezuckerten Getränken (z.B. Wasser, Tee): Kamille, Ringelblume, Melisse wirken beruhigen und Fenchel, Kümmel und Anis wirken sich positiv auf Blähungen aus

  • Wer rastet der rostet: regelmäßige Bewegung wirkt sich positiv auf die Darmmotorik aus. Sie ermöglicht einen besseren Weitertransport des Darminhaltes und führt somit zu weniger Gärungsprozessen, Blähungen und Bauchschmerzen

  • Gut gekaut ist halb verdaut: Iss langsam und kaue gut

  • Wichtig – die Fruchtzuckeraufnahme nie komplett aus deinem Speiseplan streichen. Eine konstante Aufnahme unter Berücksichtigung deiner individuellen Verträglichkeit ist wichtig, da ein striktes Meiden die Verträglichkeit verschlechtert!



Falls du noch Fragen hast oder weitere Tipps brauchst, um deine Ernährung umzustellen, kannst du dich gerne bei mir oder meinen KollegInnen melden!


Abschließend habe ich noch ein leckeres Rezept für ein Bananenbrot für dich vorbereitet. Wie du bereits gelernt hast, sind Bananen aufgrund ihres Fruktose-Glukose-Gehaltes normalerweise auch bei einer Fruktoseintoleranz gut verträglich. Und zudem kommt es immer auf die Menge an, die du isst ;)



Rezept: Bananenbrot


Zutaten:

  • 110g Dinkelmehl

  • 110g Dinkel-Vollkornmehl

  • 2 sehr reife Bananen

  • 40g Walnüsse

  • 2 Eier

  • 2 EL Milch

  • 2 TL Backpulver

  • Haferflocken zum Bestreuen


Zubereitung:

  1. Das Backrohr auf 180° vorheizen

  2. Die Bananen mit einer Gabel gut zerdrücken und mit den Eiern schaumig rühren

  3. Das Mehl, das Backpulver, die Walnüsse und die Milch zum Bananen-Gemisch geben und alles gut vermengen.

  4. Den Teig in die mit Backpapier belegte Kastenform gießen, mit Haferflocken bestreuen und bei 180° ca. 40 Minuten backen (Stäbchenprobe)




Tipp: Dieses Rezept ist ziemlich flexibel und kann je nach Gusto individuell „gepimpt“ werden – reinkommt, was die Vorratskammer hergibt und du verträgst



Lass es dir schmecken!! :)